Stifter

Die Familienstiftung wurde im Jahr 1607 vom Testament von Nicolaus III Gercken (28. 2. 1555 – 16. 8. 1610) inspiriert, dem Stifter. Er war Rechtsanwalt und Syndikus des Domkapitels Magdeburg. Er war mit Margaretha Busse verheiratet und starb kinderlos. Von ihm ist kein Bildnis erhalten.

Wanderjahre Magdeburg, Rostock, Wittenberg, Stendal, Tübingen, Basel, Speyer. Nicolaus III Gercken wurde von seinem Vater 1571 auf das Stadtgymnasium zu Magdeburg geschickt. Im Jahr 1573 ging er nach Rostock zur Universität und ein Jahr darauf nach Wittenberg, wo er drei Jahre lang wahrscheinlich Theologie studierte. Gleich nach seinem Abgang von der Universität wurde er als Konrektor in Stendal angestellt. Nachdem er drei Jahre dieses Amt inne hatte, nahm er 1580 den Antrag des holsteinischen Edelmannes Breda v. Rantzow an, die beiden Söhne desselben nach Tübingen zu führen. Hier verweilte er bis 1584 und betrieb mit großem Eifer das Studium der Rechtswissenschaften. Von Tübingen ging er nach Basel, um dort zum Doktor juris zu promovieren. Er hatte bereits die nötige Disputation gehalten und die Prüfung bestanden, als er, durch einen Brief seines Vaters veranlasst, den Plan aufgab. Der Vater riet ihm nämlich, die Kosten für die Promotion lieber auf seine praktische Ausbildung zu verwenden, und sich nach Speyer ans Kaiserliche Kammergericht zu begeben. Der Sohn folgte seinem Vater, ging 1585 nach Speyer und bildete sich dort ein Jahr lang zum praktischen Juristen aus.

Jurist in Magdeburg Im Jahr 1586 ging er nach Magdeburg zurück und liess sich als Rechtsanwalt nieder. Dort heiratete er im Jahr 1590 Margaretha Busse, die Tochter eines promoierten Juristen und Beisitzer des Schöppenstuhles zu Magdeburg. Im Jahr 1592 wurde er vom Herzog Wolff von Braunschweig-Grubenhagen zum Kanzler befördert. Im Jahr 1594 wurde er von demselben als Gesandter auf den Reichstag zu Regensburg geschickt. Noch im gleichen Jahr berief ihn das Domkapitel Magdeburg zum Syndikus. Er folgte diesem Ruf und übte das ihm übertragene Amt bis zu seinem Tode aus. Die von dem Collegiatstift St. Sebastian im Jahr 1602 auf ihn gefallene Wahl eines Canonicus lehnte er wegen seiner Amtsgeschäfte ab und erbat sich nur die Vergünstigung, in der Kirche dieses Stiftes beerdigt werden zu dürfen.

Religiös und belesen Seine Zeitgenossen haben ihn als einen religiösen, gelehrten und rechtschaffenen Mann geschildert. Seine Lieblingsbeschäftigung in geschäftsfreien Stunden war die Lektüre juristischer und theologischer Schriften, von denen er eine umfangreiche Sammlung besaß und die er testamentarisch zum Gebrauch für seine Erben bestimmte.

Die Stiftung Durch Tätigkeit und Sparsamkeit hatte der Stifter ein beträchtliches Vermögen gesammelt. Seine Anverwandten waren sämtlich wohlhabend. Daher beschloss er, sein ganzes Vermögen zu einer milden Stiftung zum Besten der Nachkommen seines Großvaters zu bestimmen. Er fühlte, dass ihm kein langes Leben beschieden sei und schrieb deshalb bereits im Jahr 1607 seinen letzten Willen nieder. Drei Jahre darauf starb er am 16. August 1610, nachts zwischen 23 und 24 Uhr, im 55. Lebensjahr und wurde am 21. August, seinem Wunsch gemäß in der Kirche des Sebastianstifts begraben. In seinem Testament vom 27. November 1607 bestimmte er, dass „von meines Vaters seligen Brüdern und Schwestern her entsprossene “und ihre Nachkommen Nutznießer der Erträge seines Vermögens werden sollten, und zwar in Form von Stipendien bei einem Universitätsstudium.

Der Vater des Stifters Johannis Geriken (Gercken, 1528 – 1605, Magdeburg) war Rektor der Neustädter Lateinschule zu Salzwedel, die sich unweit der Katharinenkirche befindet. Er ist auf einem Gemälde, Öl auf Holz, das durch die Jahrhunderte erhalten geblieben ist, dargestellt. Das Gemälde wird als Dauerleihgabe im Danneil-Museum zu Salzwedel gezeigt.

Die lateinische Inschrift des Bildes lautet übersetzt: BILDNIS DES GELEHRTEN MANNES HERRN JOHANNIS GERIKEN (GERCKEN), LEKTOR DES KIRCHLICHEN RECHTES AM MAGDEBURGER DOM. ANNO CHRISTI 1585. SEIN WAHRES LEBENSALTER 57. Wie er von Salzwedel nach Magdeburg gelangte ist unbekannt. Sein juristisches und theologisches Fachwissen muss groß gewesen sein um einen Ruf als Lector nach Magdeburg zu erhalten. Johannis Geriken war verheiratet mit Catharina geb. Buchwitz. Die beiden hatten zwei Kinder, Nicolaus III Gercken und Catharine Gercken, später verehelichte Giese. Die Ehen beider Geschwister blieben kinderlos.

Der Großvater des Stifters war Nicolaus I (auch Clawes) Gercken (1501 – 23.2.1579, Salzwedel), ein Bürgermeister, Weber, Tuchmacher und Gewandschneider in der Neustadt von Salzwedel. Weber, Tuchmacher und Gewandschneider waren damals wohlhabende Kaufleute. Am 28. Mai 1233 verbrieften die Markgrafen Johannes von Brandenburg und sein Bruder Otto der Gewandschneider-Gilde der Altstadt Salzwedel das ausschließliche Recht Gewand zu verkaufen und zu schneiden. 1351 wurde dieses Recht auch auf die Neustadt Salzwedel ausgedehnt.

Vom Stiftergroßvater kündet folgendes Grabmal, das früher in der Nähe des Erbbegräbnisplatzes an der Außenwand der Katharinenkirche in Salzwedel zu sehen war. Zur Vermeidung von witterungsbedingten Schädigungen befindet sich dieses Grabmal heute im Inneren der Kirche.

Inschrift oben: DAS BLUT JESU CHRISTI REINIGET VON ALLEN SÜNDEN. (JOHANNIS Evangelium).

Die Inschrift am Fuß des Denkmals lautet: NICLAUS GERCKENS BÜRGERMEISTER DIESER STADT IST SELIG IN CHRISTO ENTSCHLAFEN SEINES ALTERS 78 JAHR DEN 23. FEBR. ANNO 1579

Quelle: Übertragen von Paul Gerhardt, Ehrenpatron, Patron von 1994 – 2001, durch Eckart Reihlen

Magdeburger Dom, Grab- und Wirkungsstätte des Stifters.
Stiftskirche Tübingen, Wirkungsstätte des Stifters.
Johannes Gercken (1528-1605), Vater des Stifters.
Grabmal des Großvaters des Stifters in der Katharinenkirche in Salzwedel.