Stadtgeschichte

Belegt ist der Name „Salzwedel“ 1112 anlässlich einer Belagerung einer Burg durch Kaiser Heinrich V. Sie wurde mutmaßlich zum Schutz der Jeetzefurt angelegt. Die erste urkundliche Erwähnung von Salzwedel als Civitas datiert aus dem Jahr 1233. Die Namensgebung „Soltwidele“ beschreibt den Ort, an dem Salz über eine Furt durch das Niederungsgebiet der Jeetze gewatet wurde und zwar entlang der Salzstraße Lüneburg-Magdeburg. (Quelle: Deutsche Fachwerkstraße e.V.). Bereits 1247 entstand die Neustadt als planmäßige Neugründung im Nordosten der Altstadt. Beide Städte existierten jahrhundertelang in einem spannungsgeladenen Verhältnis. Einigungsversuche blieben erfolglos, bis 1713 durch landesherrlichen Eingriff die Vereinigung erfolgte.

Von 1263 bis 1518 war Salzwedel Mitglied der Hanse. Im Jahr 1263 teilte der Lübecker Rat dem Aldermann in Visby auf Gotland mit, dass Salzwedel in die dortige Gemeinschaft, die Hanse, aufgenommen sei. Bereits 1248 wurden Zölle für den Handel zwischen Salzwedel und Hamburg sowie Salzwedel und Lübeck festgelegt. Der Wohlstand wird auch heute noch in den Resten der mittelalterlichen Stadtbefestigung, in den beiden Pfarrkirchen von Altstadt (St. Marien) und Neustadt (St. Katharinen) sowie in der als Konzert- und Ausstellungshalle genutzten Mönchskirche deutlich.

Der Ausbau der Landesherrschaft seit dem 15. Jahrhundert wirkte der Selbständigkeit der Städte entgegen. Der brandenburgische Kurfürst Johann Cicero schlug 1488 den sogenannten Bierzieseaufstand nieder. Die Stadt verlor wesentliche Rechte wie die Gerichtsbarkeit, das Recht der freien Ratswahl, das Statutenrecht und das Bündnisrecht. 1518 erfolgte der Ausstieg aus der Hanse.

Noch im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert kam es zu Großbauten wie der Propstei um 1578, dem Bau bzw. Umbau der Neustädter Lateinschule 1579, dem Neubau des Neustädter Rathauses (später Hotel „Schwarzer Adler“) mit dem Rathausturm um 1585 oder dem Bau des Neustädter Kaufhauses (1895 als Rathaus abgebrannt) zwischen 1608 und 1619. Auch die wenigen mit reicherem Schnitzwerk verzierten Fachwerkhäuser wie das Ritterhaus (Radestraße 9), das „Adam- und -Eva-Portal“ (Schmiedestraße 27) oder das Brauhaus (Altperverstraße 20) stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) blieb Salzwedel zwar von Belagerungen, Brandschatzungen und Plünderungen verschont, erlitt aber durch die Einquartierungen, Durchzüge und Forderungen der verschiedenen Heere enorme finanzielle und wirtschaftliche Verluste.

Das 18. Jahrhundert ist für Salzwedel ein Jahrhundert des Zusammenwachsens gewesen. So fand 1744 die Vereinigung der Lateinschulen von Alt- und Neustadt zu einem einheitlichen, städtischen Gymnasium und 1763 die Vereinigung der zwei Schützengilden statt. Ohne größere Auswirkungen auf die Stadtgeschichte blieb eine Besetzung Salzwedels im Jahr 1757 durch französische Truppen. Bis zum Jahr 1807 galten die mittelalterlichen Rechtsverhältnisse:  Salzwedel besaß ein selbständiges Stadtrecht und war Haupt einer kleinen Stadtrechtsfamilie. In den Jahren 1807 bis 1813 war Salzwedel Teil des Köngreichs Westfalen. Salzwedel wurde zu einer Distrikthauptstadt im Elbedepartement und erhielt dadurch erstmals als regionales Verwaltungszentrum größere Aufgaben.

Im 19. Jahrhundert kam es zu wirtschaftlichen Veränderungen. Das in Gilden organisierte Handwerk wurde durch die im Königreich Westfalen proklamierte Gewerbefreiheit dem freien Wettbewerb ausgesetzt. Der Niedergang der Salzwedeler Textilproduktion, also Tuchmacherei und Leinenweberei, wird vor allem auf den zu späten und zu schwachen Einsatz industrialisierter Fertigungsmethoden zurückgeführt. Aus der Industriealisierung entstanden mittelständische Betriebe wie 1836 die Knochenverarbeitung von Neukranz, aus der sich eine Chemiefabrik entwickelte, wie 1876 die Loewesche Eisengießerei, die spätere Pumpenfabrik, wie 1892 die Zuckerfabrik und wie 1897 die Bergschlossbrauerei. 1870 wurde die erste Eisenbahnlinie (Salzwedel – Stendal) in Betrieb genommen, 1873 die Fortführung der Strecke nach Uelzen. 1876 begann in Salzwedel die Nutzung der Elektrizität. 1893 wurde das städtische Gaswerk eröffnet. 1909 wurde mit der Inbetriebnahme der Kanalisation der Bau einer zentralen Wasserver-und -entsorgung abgeschlossen.

Die Bergschloss-Brauerei ist ein Beispiel der Industrialisierung in Salzwedel. Diese Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1898.

Das 20. Jahrhundert war geprägt von den Weltkriegen, vom Ende des Feudalismus, von der Errichtung totalitärer Systeme auf deutschem Boden und zuletzt von der Wiedererrichtung der Demokratie und des Rechtsstaats. Salzwedel stimmte mehrheitlich und früh für das nationalsozialistische Regime. (Quelle: Oliver Schmiedl, https://lpb.sachsen-anhalt.de/online-angebote/campuspublik/die-machtuebernahme-der-nationalsozialisten-in-der-altmark.) Die jüdische Bevölkerung wurde schikaniert, vertrieben und größtenteils in fernab gelegenen Konzentrationslagern ermordet. Im Februar 1945 forderte ein Bombenangriff über 300 Tote und beschädigte den Bahnhof schwer. Darüber hinausgehende, direkte Zerstörungen durch den 2. Weltkrieg hatte Salzwedel nicht zu beklagen. Nach Kriegsende kamen Umsiedler in die Stadt. Am 31. Dezember 1948 sollen von insgesamt 25 Tausend Einwohnern über 8 Tausend Umsiedler gewesen sein. Salzwedel lag fortan im deutsch-deutschen Grenzgebiet.

Ab 1968 setzte die Erdgasförderung ein. Anfang der 1990er Jahre schlossen die Salzwedeler Großbetriebe. Salzwedels Wirtschaft ist heute geprägt von der Erdgasförderung, von produzierenden Betrieben, vom mittelständischen Handwerk, vom Dienstleistungssektor sowie von landwirtschaftlichen Betrieben. Salzwedel übt überörtliche Funktionen als Kreisstadt des Altmarkkreises Salzwedel aus. Der Kreis wurde per Gebietsreform aus den Altkreisen Salzwedel, Gardelegen und Klötze gebildet, Salzwedel ist ein Mittelzentrum im Land Sachsen-Anhalt.

Der Rathausturm in der Salzwedler Neustadt.

Quelle: Hansestadt Salzwedel