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Der Domsyndicus Nicolaus Gercken legte in seinem Testament im Jahre 1607
fest, dass sein Vermögen als „ewiges Stipendium“ als Stiftung zum Nutzen der
Nachkommen seines Großvaters verwendet werden solle.

Er selbst hatte keine Kinder, denen er sein Vermögen vererben konnte. Aus
Verantwortung für seine Familie und mit Blick auf die Umstände der Zeit,
entschloss er sich, durch eine Familienstiftung sein Vermögen der Familie zu
erhalten und der jungen Generation die Chance zu einer guten akademischen
Ausbildung zu geben.

Er starb am 16. August des Jahres 1610. Seine Frau, Margaretha Busse, starb am 30. Januar 1621.
Das Vermögen von Nicolaus Gercken stand damit der Stiftung zur Verfügung.
Die Stiftung hatte durch die Unruhen und Nöte des ausgebrochenen 30jährigen Krieges keine 
Stipendien vergeben können. Der Krieg und die Zerstörung Magdeburgs am 10. Mai 1631 brachte
auch der Stiftung große materielle Verluste.
Die sehr umfangreiche Privatbibliothek des Stifters wurde zerstört und eine große Zahl wichtiger
Dokumente gingen verloren. So auch der Zinsbrief, der ein Darlehn von Nicolaus Gercken über
2000 Reichstaler zu 5% Zinsen an die Stadt Magdeburg belegte. Ebenfalls gingen die meisten
Besitzurkunden über die Ackerflächen verloren.

Um wieder in den Besitz der Rechte am Grundvermögen zu gelangen wurde Sebastian Gercken als
Administrator eingesetzt. Seiner Ausdauer und intensiven Arbeit ist es zu verdanken, dass fast alle
Grundstücke wieder der Stiftung zugesprochen wurden.

Nach einigen Jahren der Ruhe wurde die Stiftung wiederum von Vermögensverlusten getroffen.
In Magdeburg wurden verschiedene Grundstücke für den Festungsbau eingezogen und nur
unzureichend entschädigt. Ein Darlehn des Stifters an die Stadt Halle in Höhe von 3000 Reichstalern
wurde zur Sanierung der Stadtfinanzen durch eine eingesetzte königliche Kommission auf einen
Restwert von 10% abgesenkt und die bisher angefallenen Zinsen gestrichen.

Trotz der  aufgetretenen Verluste stabilisierte sich im Laufe der Jahre durch vermehrte Einnahmen
die Vermögenssituation. Das lässt sich auch an den nun steigenden Stipendienzahlungen ablesen.
 Von 1648 bis 1680 wurden pro Jahr im Durchschnitt 29 Reichstaler ausgegeben.
 Von 1720 bis 1729 wurden schon im Durchschnitt 150 Reichstaler pro Jahr ausgegeben.

 Wie groß die Vermögenskraft am Ende des 19. Jahrhunderts war, zeigen die jährlichen
 Stipendienzahlungen von durchschnittlich 7164 Goldmark zwischen 1853 und 1880.

 Der erste Weltkrieg beendete das Wachstum der Nicolaus Gerckenschen Familienstiftung.
 Viele junge Familienmitglieder verloren in diesen vier Jahren ihr Leben. Ein großer Teil des
 Geldvermögens der Stiftung wurde durch die einige Jahre später eintretende Inflation vernichtet.
 Nur das verbleibende Grundvermögen rette sie vor dem Ruin.

In den zwölf Jahren des Nationalsozialismus sollte das Grundvermögen der Stiftung auf Beschluss
der Reichsregierung per Zwangsverkauf in die Hände der Landwirte kommen. Bei Nichtbefolgung
wurde mit der Zwangsauflösung der Stiftung gedroht. Mit dem Ende des III. Reiches endete auch
diese existentielle Bedrohung der Stiftung.

Der Zusammenbruch im Mai 1945 hatte wiederum einen fast Totalverlust aller Wertpapiere der
Stiftung zur Folge. Es kam aber noch schlimmer. Da die sowjetische Besatzungszone zur DDR
wurde hatten Überreste einer bürgerlichen Kultur keine Existenzberechtigung mehr.
Dazu gehörte auch die Nicolaus Gerckensche Familienstiftung. Im Mai 1954 forderte der Rat des
Bezirkes Magdeburg vom Patronat die Auflösung der Stiftung. Aus formalen Gründen kam die
Auflösung nicht zustande. Da sehr viele Stiftungsmitglieder in Westdeutschland lebten, konnte ein
für die Auflösung notwendiger Familientag nicht einberufen werden. In den folgenden Jahren
wurden große Teile des Grundvermögens in Volkseigentum überführt.
Da eine überschaubare Verwaltung der Stiftung nicht mehr möglich war, trat am 23. Juni 1963 die
Verwaltung der Stiftung zurück.
Von Seiten des Rates des Kreises Salzwedel wurde bis zum 1. Juni 1974 kein Treuhänder oder
Verwalter eingesetzt. Erst mit diesem Datum hat der Rat des Bezirkes Magdeburg die Abteilung
Finanzen des Rates des Kreises Salzwedel als Verwalter für die Nicolaus Gerckensche
Familienstiftung eingesetzt. Diese Treuhandverwaltung ist im Sinne der Stiftung nie tätig geworden.
Als einzige Amtshandlung lehnte sie eine Erbschaft zugunsten der Stiftung ab. So vegetierte die
Stiftung bis zum Jahre 1986 ohne jegliche Führung dahin.
Während dieser Zeit wurden alle Geldmittel von der Finanzbehörde Salzwedel per Pfändung von
dem Stiftungskonto entfernt. Es handelte sich um Grundsteuerzahlungen für die Grundstücke, die
schon seit Jahren in „Volkseigentum“ übergeführt worden waren. Die Stiftung musste somit Steuern
zahlen für ein Grundvermögen, das ihr schon lange nicht mehr gehörte.

Im Sommer 1986 machte sich der Familiant Paul Gerhardt die Mühe, mit mehreren Familianten aus
dem Westen Deutschlands der Stiftung neues Leben einzuhauchen. In mühevoller Kleinarbeit
beschaffte er Unterlagen über noch nicht genutzte Grundstücke der Stiftung und schaffte die
Rückübereignung an diese. Die Behörden setzten Paul Gerhardt im Jahre 1986 als Notpatron der
Stiftung ein.

Paul Gerhardt hat der Nicolaus Gerckenschen Familienstiftung das Überleben in der DDR Zeit
ermöglicht. Für diese einmalige Leistung  ist Paul Gerhardt im Jahre 2001 zum Ehrenpatron der
Nicolaus Gerckenschen Familienstiftung ernannt worden.

Am 30. Mai 1992 wurde der 1. Familientag nach dem II. Weltkrieg abgehalten. Es war der XVI.
Familientag in der Geschichte der Stiftung.

Nach der Wiedervereinigung der beiden Teile Deutschlands ging es mit den Geschicken der Stiftung
wieder aufwärts. Neue Familianten wurden registriert und aus den verbliebenen Einnahmen und
durch eifrige Spendentätigkeit konnte der Grundbesitz langsam erweitert werden.
Ein Wermutstropfen waren die erfolglosen Bemühungen um Rückerstattung enteigneter
Vermögenswerte. Die Behörden der Bundesrepublik stehen auf dem Standpunkt, eine
Diskriminierung besonderer Art habe die Stiftung nicht erdulden müssen. Fehler der Behörden der
seinerzeitigen DDR seien bedauerliche Irrtümer aber keine Diskriminierung.

Inzwischen hat die Stiftung ihren XXV. Familientag am 29. Mai 2016 abgehalten.
Den Familienmitgliedern konnten für die meisten Stiftungsbelange positive Daten mitgeteilt werden.

Hoffen wir, dass der Wille des Stifters Nicolaus Gercken, ein ewiges Stipendium zu schaffen, noch
für lange Zeit Gültigkeit haben wird.

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