zu Salzwedel

Nicolaus Gerckensche            Familienstiftung

 

 

                                 

Nic. Gerckensche Familienstiftung       
Verwaltung: Gr. St.-Ilsen-Str. 22, 29410 Hansestadt Salzwedel                                                 Tel.: 03901 422528; Fax: 03901 3059221
 

 

 

 

Geburtstag von Nicolaus Gercken

Der Geburtstag von Nicolaus Gercken, dem Gründer der Nicolaus Gerckenschen Familienstiftung, jährt sich am 28. Februar diesen Jahres zum 450. Mal. Dieses Jubiläum ist für das Patronat der Stiftung und die jetzt lebenden Deszendenten vom Großvater des Stifters ein Grund, dieses hervorragenden und generösen Mannes zu gedenken.
                Dieser Nicolaus Gercken (in der Familiengeschichte der Jüngere, im Gegensatz zu seinem Großvater Nicolaus Gercken, dem Älteren und Bürgermeister der Neustadt Salzwedel) wurde als Sohn des Rektors der Neustädter Schule zu Salzwedel Johannis Geriken (wie der Name genitivisch auf seinem im Danneil-Museum zu Salzwedel befindliche Ölbild lautet) und seiner Ehefrau Catharina Buchwitz am 28. Februar 1555 in Salzwedel geboren. Nachdem sein Vater 20 Jahre als Rektor dieser Schule gewirkt hatte, wurde er 1575 als Canonicus Lector
[1] an die Domkirche zu Magdeburg berufen und wurde dann Senior Canonicus[2] an der Kapelle Gangolphi daselbst.
                Wie es in der 1833 gedruckten Geschichte der Stiftung heißt, erzog er seinen Sohn mit Sorgfalt und Strenge. Er schickte ihn 1571 auf das Stadt-Gymnasium in Magdeburg und im Jahr 1573 nach Rostock auf die Universität und ein Jahr nach Wittenberg, wo er wahrscheinlich Theologie studierte. Gleich nach seinem Abgang von  der Universität wurde er als Konrektor in Stendal angestellt. Nach dem er drei Jahre dieses Amt innegehabt hatte, nahm er 1580 den Auftrag des holsteinischen Edelmannes Breda von Rantzau an, dessen beide Söhne auf die Universität in Tübingen zu begleiten. Hier blieb er bis 1584 und studierte „mit großem Eifer“ Rechtswissenschaften. Von Tübingen ging er nach Basel, um sich dort zum Doktor Juris promovieren zu lassen.  Er hatte bereits die nötige Disputation gehalten und die Prüfung bestanden, als er, durch einen Brief seines Vaters veranlasst, den Plan aufgab. Der Vater riet ihm nämlich, die Kosten der Promotion lieber auf seine praktische Ausbildung zu verwenden und sich nach Speyer an das Kaiserliche Kammergericht zu begeben.  Der Sohn, der den Wunsch seiner Eltern als Befehl betrachtete, gehorchte seinem Vater und ging 1585 nach Speyer, um sich dort ein Jahr als praktischer Jurist ausbilden zu lassen.  Im Folgejahr 1586 ging er nach Magdeburg zurück und praktizierte als Rechtsanwalt. 1590 heiratete er Margaretha Busse, die Tochter eines Doktors beider Rechte und Beisitzers am Schöppenstuhl
[3] zu Magdeburg. Im Jahre 1592 wurde er von dem Herzog Wolff von Braunschweig-Grubenhagen zum Kanzler befördert und 1594 von diesem auf den Reichstag nach Regensburg gesandt. Noch im gleichen Jahr berief ihn das Domkapitel zu Magdeburg zu seinem Syndikus[4].  Er nahm dieses Amt an und hatte es bis zu seinem Tod inne.  Die vom Collegiatstift St. Sebastian im Jahre 1602 auf ihn gefallene Wahl eines Canonicus lehnte er wegen seiner sonstigen Amtsgeschäfte ab und erbat sich nur die Vergünstigung, in der Kirche dieses Stifts beerdigt werden zu dürfen.

                Seine Ehe blieb kinderlos.  Durch Tätigkeit und Sparsamkeit hatte er ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet. Seine Anverwandten waren alle wohlhabend, deshalb beschloss er, sein ganzes Vermögen einer milden[5] Stiftung zum Besten der Nachkommen seines Großvaters zu errichten. Er fürchtete, kein hohes Alter zu erreichen und schrieb bereits im Jahre 1607 seinen letzten Willen nieder. Drei Jahre darauf starb er in seinem 55. Lebensjahr am 16. August 1610 zwischen 11 und 12 Uhr nachts und wurde am 21. August in der St.-Sebastians-Kirche begraben.
                Seine Zeitgenossen haben ihn als echt religiösen, gelehrten und rechtschaffenen Mann geschildert. Seine Lieblingsbeschäftigung wäre, in geschäftsfreien Stunden, die Lektüre juristischer und theologischer Schriften gewesen, von denen er eine treffliche Sammlung besaß, die er in seinem Testament zum Gebrauch durch die Erben bestimmt hatte.
                Wenn wir jetzt, in unserer Zeit seiner dankbar gedenken, vergleichen wir bewusst oder auch unbewusst, seine Zeit mit der unseren.  Durch das Vermögen seines Vaters war er „flexibel“, was man ja heute sein muss.  Seine Studien- und Arbeitsorte beweisen das. Er erkannte aber auch sehr wohl die Abhängigkeit der Studierenden vom Geldbeutel des Vaters und, dass bei Nichtvorhandensein dieser Geldquelle, ein Studium fast unmöglich war. Deshalb rief er seine Stiftung ins Leben und erleichterte auf diese Weise den blutsverwandten Abkömmlingen seines Großvaters, durch Gewährung von Stipendien aus dem Vermögen der Stiftung, ein Studium zu beginnen und abzuschließen.
                Leider wissen wir nicht, wo er in der St.-Sebastians-Kirche begraben liegt und können infolgedessen auch kein Blumengebinde an diesem denkwürdigen Tag dort ablegen.           

Gardelegen im Februar 2005

gez. Paul Gerhardt

Ehrenpatron der Nicolaus Gerckenschen Familienstiftung

[1] Domherr und Lehrer oder Vorleser oder Vortragender
[2]
Vorsteher der Domherren
[3]
Schöffengericht
[4]
Bevollmächtigter in Rechtssachen
[5]
wohltätigen