zu Salzwedel

Nicolaus Gerckensche            Familienstiftung

 

 

                                 

Nic. Gerckensche Familienstiftung       
Verwaltung: Gr. St.-Ilsen-Str. 22, 29410 Hansestadt Salzwedel                                                 Tel.: 03901 422528; Fax: 03901 3059221
 


 

 

Das Jahr 2010 –

400 Jahre Nicolaus Gerckensche Familienstiftung

 

 

 


Am 27. November 1607 legte Nicolaus Gercken seinen letzten Willen in einem wohlgeordneten Testament nieder. Als gewissenhafter Advokat stellte er seine geistige Unversehrtheit fest, regelte die Umstände seiner Bestattung in Magdeburg und spezifizierte dann sein Herzensanliegen, die Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für die Nachkommen der Geschwister seiner Eltern. Er selbst hatte keine Kinder. Es war ihm aber ein Bedürfnis, dass die Familie Gercken durch gute Bildung und Ausbildung gesellschaftlich anerkannt und materiell gesichert bleibt. Dann erst regelte er die wirtschaftliche Sicherheit seiner Ehefrau Margarete Busse und verteilte die Vermächtnisse an seine Verwandtschaft.

Das originale Testament ist nicht mehr vorhanden. Es wird vermutet, dass es bei der totalen Zerstörung Magdeburgs am 10. Mai 1631 mit der für damalige Zeiten umfangreichen Bibliothek  Nicolaus Gerckens verbrannt ist.

Es sind aber mehrere vidimierte (notariell beglaubigte) Abschriften im Stadtarchiv Salzwedel vorhanden. Ihnen beigefügt ist die Schuldurkunde der Stadt Magdeburg, in der Bürgermeister Georg Kühlewein bestätigt, dass die Stadt Magdeburg von Nicolaus Gercken ein Darlehen über 2000 Reichstaler erhalten hat, dessen Zinsen dem Stipendium zugute kommen sollen. Auch heute noch besteht dieser Anspruch, da das Darlehn auf „ ewig „ gewährt wurde und bis zum heutigen Tage nicht getilgt worden ist.

Als erster Patron für die damals noch „ Stipendium“ benannte Stiftung wurde im Jahre 1610  Georg Gercken, der Cousin des Stifters, von der Familie bestimmt. Seine Testamentatoren waren Nicolaus Gercken, Sohn von Joachim Gercken - im Testament schon als Gesamterbe und Verwalter der Bibliothek eingesetzt - und Nicolaus Binde, alles Cousins untereinander. Georg Gercken blieb bis zu seinem Tode im Jahre 1635 Patron.

Stipendien wurden erst vom Jahre 1648 an ausgegeben. Es war das Jahr, in dem Sebastian Gercken, Sohn des 1. Patrons,  Georg Gercken, das Amt eines Testamentarius erhielt.

Mehrere Gründe waren für den späten Beginn der Stipendienzahlungen zusammengekommen. Das Testament des Stifters ordnete die Zahlung von Stipendien erst nach dem Tode seiner Ehefrau an. Wörtlich steht im Testament:

„…Ordne,   Constituire unndt Vormache ihnen erwentes Stipendium hiermit unndt crafft dieses meines Testaments…also unndt dergestalt: Das nach meiner lieben Hausfrauen tödlichem Abgang, mein Vetter und Testamentarien, Sechs junge Gesellen vonn meiner Freundschafft, vonn meinem Vater und Mutter…Jährlich Funfzik Thaler zu einem Stipendio geben sollen.“

Margarete Busse, die Ehefrau des Stifters starb am 30. Januar 1621. Eigentlich hätten nach diesem Datum die Stipendien vergeben werden können, da ja nun die der Witwe zugeflossenen Einkünfte dem Stipendium zugute kommen sollten.

Der seit 1618 tobende Krieg und die Verwüstungen im Land hatten nur sehr gering Pachteinnahmen zur Folge. Die Zerstörung der Stadt Magdeburg im Mai 1631 und der Verlust wichtiger Unterlagen verstärkten noch die chaotischen Zustände um die Stiftung.

Am 9. März 1648 erhielt Sebastian Gercken von der Salzwedeler Familie die Legitimation, die Stiftungsverhältnisse neu zu ordnen. Dieses tat er mit Geschick und Erfolg. Seit 1648 konnten Stipendien gezahlt werden. Die Stiftung begann ihre eigentliche Arbeit und wuchs zu einer finanzkräftigen Familienstiftung heran.

Seit dieser lange vergangenen Zeit blieb die Stiftung bis zum heutigen Tage am Leben. Nach Durchstehen der Nazizeit und des „real existierenden Sozialismus“ ist jetzt wieder die Unterstützung junger Bildungsbeflissener möglich.

Im 400. Jahre des Bestehens der Stiftung wird das Patronat voraussichtlich 15 junge Familienmitglieder mit Beihilfen unterstützen. Dafür werden etwa 5000,00 bis 8.000,00 Euro benötigt. Wo kommt das Geld her?

Das Patronat hat sich an die Erfahrungen  des Stifters Nicolaus Gercken gehalten. Von seinem Vermögen sind die in Geld angelegten Darlehen und Schuldscheine und Hypotheken zum überwiegenden Teil verloren gegangen. Als Beispiel diene der oben angeführte Schuldbrief der Stadt Magdeburg. Für die 2000 Reichstaler, nach heutigem Wert eine hohe Summe, hat die Stiftung seit Bestehen bis heute keine Zinsen erhalten.

Verpachtete landwirtschaftliche Nutzflächen sind dagegen zum Teil der Stiftung erhalten geblieben. Das Patronat ist daher intensiv bestrebt, durch Zukauf von Ackerland und Grünland ihre Einnahmen durch Pachten zu sichern und zielgerichtet zu vermehren.

Das Patronat geht davon aus, dass die Nicolaus Gerckensche Familienstiftung zu Salzwedel auch weiterhin eine glückliche und gedeihliche Zukunft hat.

Quelle: Geschichte der Familienstiftung des Domsyndicus Nicolaus Gercken, Hrsg. Patronat der Gerckenschen Familienstiftung,  Magdeburg 1833.

Salzwedel, Februar 2010, das Patronat der Nicolaus Gerckenschen Familienstiftung


Dr. Karl – H. Eiselt            Christiane Peters            Bernd Gehrke